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Deutsch-russisches Projekt / über das Projekt

Beate Tröster und das Projekt


Mein erster Besuch nach  Jekaterinburg war recht abenteuerlich. Ich hatte bei meiner Reiseplanung nicht berücksichtigt, dass ich mit meinem ganzen Gepäck in den kilometerentfernten Scheremetjewo zwei musste. Den Transferbus suchend und die stündliche Abfahrt verpasst, versuchte ich zu meinen Anschlussflug zu kommen. Ohne Rubel bestieg ich den Linienbus, aber ein freundlicher Herr schenkte mir 20 Rubel für die Fahrt. Die Fahrt kostete jedoch 21 Rubel. Der Fahrer nahm mich mit und verzichtete auf den  Rubel. Die ersten Willkommensgesten in Russland. Ich beruhigte mich, da ich spürte, die Menschen sind freundlich. Nach sechs verschiedenen Kontrollen von Koffer durchleuchten bis Schuhe ausziehen, hatte ich den Flug verpasst. Mich wollte man mitnehmen, aber meinen Koffer nicht. Er war durch Broschüren und Materialien zu schwer, sodass  ich noch eine Gebühr bezahlen musste. Angekommen in Jekaterinburg erblickte ich den RTA vor Ort und war sehr froh darüber.

Die erste Frage im Jekatarinburger  Twinning-Büro war: „Was ist das Netzwerk? Eine Frage, die mich immer wieder als Expertin während der Projektarbeit begleitete.

Da ich seit sechs Jahren auf dem Gebiet der Integration und Migration arbeite, ein Netzwerk für Spätaussiedler und Migranten aufgebaut hatte und ein Zentrum für Integration und Migration konzeptionell entwickelt und leite, fühlte ich mich in der Lage, meine Erfahrungen zu transferieren. Spannend für mich war die Arbeit in Russland, da ich gegenwärtig einen Fachdienst für Thüringen aufbaue, dessen Aufgabe auch in der Schaffung von vernetzten Strukturen in unserem Bundesland besteht. Bestärkt haben mich auch verschiedene bundesweite Vergleiche innerhalb Deutschlands, die zu einer Einladung beim Bundespräsident führten oder in diesem Jahr das Erfurter Zentrum Landessieger wurde.

Einige Fragen möchte ich an dieser Stelle beantworten.

Was ist Vernetzung?

Vernetzung bedeutet ein  planmäßiges bewusstes Zusammenwirken aller staatlicher, gesellschaftlicher, kommerziellen Strukturen, die auf dem Gebiet der Migration in einer Region tätig sind. Es ist eine Methode, die durch qualitative Kenngrößen gekennzeichnet ist und ein horizontales Herangehen erfordert. Dazu gehören der bewusste Informationsaustausch, die Koordination unterschiedlicher Aktionen und Kooperationen in der Arbeit, die Gestaltung einer verbindlichen Zusammenarbeit sowie das Festlegen von Prioritäten für das gemeinsame Vorgehen. Quantitative Kenngröße ist, dass sich mindestens drei unterschiedliche Partner verbinden.

Warum ist Vernetzung notwendig?

Vernetzung als strategisches Ziel ist notwendig und eine gesellschaftliche Herausforderung, um

• ein friedliches Zusammenleben, die Freiheitsrechte des Einzelnen, wie Meinungsfreiheit oder Freiheit der Religionsausübung, in toleranter Weise zu ermöglichen.
• eine rechtliche und faktische Chancengleichheit, gleiche Rechte und Pflichten für alle Bürger  zu ermöglichen.
• die  Nutzung der kulturellen Vielfalt in der Russischen Förderation als Ressource, aber auch als Auftrag zu verstehen, um Chancengleichheit in Beruf und Gesellschaft zu erreichen
• eine interkulturelle Öffnung des städtischen Lebens und interkulturelle Ausrichtung von öffentlichen Dienstleistungen zu entwickeln.

Wie erfolgte das Vorgehen?

Zunächst wurde ermittelt, wer arbeitet mit wem und warum zusammen. Wie sieht diese Zusammenarbeit aus. Dabei war eine Kenngröße die regionale und föderale, kommunale Zusammenarbeit. Die zweite Kenngröße untersuchte die Zusammenarbeit zwischen den Migranten und ethnischen Organisationen. Wie sehen die Beziehungen zwischen beiden aus.  Durch zeitliche Projektbegrenzung konnte eine umfangreiche Analyse nicht erfolgen. Ebenso  konnte  die Arbeit innerhalb der wirtschaftlichen Strukturen bzw. deren institutionelle Vernetzung nicht berücksichtigt werden.

Es ist festzustellen, dass die informelle Zusammenarbeit gut funktioniert. Wichtige Akteure kennen sich untereinander und tauschen in Gesprächen Informationen aus. Es bestehen punktuelle Schnittstellen. Ein bewusstes Kommunikations- und Informationssystem fehlt. Auffallend war, dass Jeder für sich arbeitet, bilaterale Absprachen nur in einzelnen Fällen  vorhanden sind. Das führt zu einer fehlenden Orientierung und Verständigungsproblemen sowohl für Migranten als auch für ethnische Minderheiten  und die Vertreter aus der Verwaltung. Eine unkontinuierliche und sporadische Zusammenarbeit der Beteiligten und fehlende Angebote der Seiten sind zu erkennen. Die Notwendigkeit sich zu vernetzen wurde zunächst von ethnischen Minderheiten gesehen, erst später von der regionalen Gebietsverwaltung.

Vernetzung  sollte  sich zu einem bewussten Prozess entwickeln und bedeutet unterschiedliche Ebene und Personen zusammen zu bringen. In  der Region sind das Ämter und Behörden, die mit Migrantionsfragen zu tun haben, ethnische Minderheiten und ihre Organisationen, Organisationen /NGO, Arbeitgeber von Arbeitsmigranten sowie Institutionen wie  Schulen, Kindergärten, Universität, Polizei u. a., die   sich in ihrer Arbeit mit Migranten befassen.

Dazu wurden in unserem Projekt Grundlagen geschaffen. Das erfolgte mit den Beteiligten  in vier Phasen: eine Informationsphase, eine Sensibilisierungsphase, eine Aufbau- und eine Implementierungsphase. Es wurde ein Expertenteam zusammengestellt. Die vierte Phase ist noch zu realisieren.

Welche Ergebnisse wurden erreicht?

Zunächst entwickelte sich eine Sensibilisierung für das Vernetzungsthema. Gemeinsam mit den russischen Vertretern entwickelte ich ein Vernetzungsmodell für das Swerdlowsker Gebiet. Ebenso erfolgte eine Standortbestimmung für das zu gründende Netzwerk und eine Geschäftsordnung für das Netzwerk für Migration und Integration bei der staatlichen Gebietseinrichtung „Swerdlowsker Gebietsmigrationszentrum“ (im Weiteren – Netzwerk), wurde von einem russischen Experten, der selbst Vertreter einer ethnischen Minderheit im Gebiet ist,  entworfen und im Expertenteam diskutiert.

Dazu Auszüge aus der von der russischen Seite vorgeschlagenen Geschäftsordnung:

Netzwerk ist eine freiwillige Vereinigung staatlicher, gesellschaftlicher, kommerzieller, wissenschaftlicher Organisationen und einzelner Bürger, die sich aktiv mit der Fragen der Migration beschäftigen.
Die Arbeit des Netzwerks basiert auf den Prinzipien der Freiwilligkeit, Gleichberechtigung, Selbstverwaltung, Gesetzlichkeit und ist publik, und die Information über ihre Arbeit – öffentlich.
Ziel:
Formierung wirksamer Mechanismen des Zusammenwirkens der Machtorgane aller Ebenen und gesellschaftlichen Organisationen im Bereiche der Migration.
Schaffung rechtlicher, organisatorischer und sozialer Bedingungen zur Besserung der Anpassung und Integration der Migranten im Gebiet Swerdlowsk.
Aufgaben:
1. Schaffung von einem System der Koordinierung der Zusammenarbeit föderaler und Gebietsstaatsmachtorgane, Organe der munizipalen Selbstverwaltung und gesellschaftlichen Organisationen im Bereich der Migration.
2. Personelle Absicherung der Realisierung der regionalen Migrationspolitik im Gebiet Swerdlowsk, Durchführung systematischer Bildungsseminare und Trainings für die Mitarbeiter der Staatsmachtorgane und munizipaler Selbstverwaltung, Vertreter gesellschaftlicher Organisationen im Migrationsbereich.
3. Informationsabsicherung der Realisierung der regionalen Migrationspolitik.
4. Förderung der Selbstorganisation und Selbsthilfe in den Migrantenorganisationen.
5. Schaffung komplexer Hilfemaßnahmen zur Besserung der Sprachkenntnisse und der Bedingungen zur sozialen, beruflichen und gesellschaftlichen Integration.
6. Steigerung des Toleranzniveaus der einheimischen Bevölkerung gegenüber den Migranten.
7. Schaffung der Mechanismen der Prognostizierung der Entwicklung der Verhältnisse zwischen den Migranten und der einheimischen Bevölkerung, Feststellung und Vorbeugung negativer Erscheinungen, darunter Konflikte im Bereich der interethnischen Beziehungen.

Was ist weiterhin  zu tun?

Die Entwicklung von vernetzten Strukturen kann sich nur als flexibler Prozess vollziehen. Dieser Prozess muss dabei aktiv gestaltet werden. Eine kontinuierliche Koordination ist dazu unerlässlich. Die Geschäftordnung sollte weiter diskutiert und festgelegt werden. Die Gründung des Netzwerkes und seine Implementierung in der Region wären die nächsten Schritte. Grundlage für die Arbeit des Netzwerkes  kann der Migrationsbericht  als Bestanderhebung sein, der entsprechend analysiert werden sollte. Daraus resultierende Festlegungen, Prioritätensetzungen und die Entwicklung von Handlungsstrategien auch zu Problemsituationen sollten dem Netzwerk obliegen. Eine konzeptionelle Grundlage für die Arbeit des Netzwerkes wäre das Integrationskonzept der Region.

Insgesamt war ich einen Monat in Russland, natürlich immer nur für eine Woche auf 18 Monate verteilt. Für mich war das Projekt eine Möglichkeit, meine Erfahrungen weiterzugeben, aber auch Russland zu erleben. Beeindruckt bin ich von den Menschen, die ich kennen lernen durfte.  Anfangs eine eisige Kühle und zum Schluss wärmende Sonnenstrahlen.

Viel Erfolg wünsche ich

Beate Tröster



 
 
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